Visual Storytelling Teil 3: Visualisierungen und Expertenwissen – Erfassung, Dokumentation und Verbreitung von Erfahrungswissen

06. Jul 2012 in NARRATA erzählt

Heute folgt der dritte und (vorerst letzte) Teil unserer  Blogreihe zum Thema Visual Storytelling. Im Teil eins ging es allgemein um das Potential von Visualisierungen beim Handhabbarmachen von verborgenen bzw. impliziten Wissen. In Teil zwei interviewten wir Martina Schradi, eine erfahrene Visualisiererin und Kooperationspartnerin von NARRATA Consult.
Heute werden wir ein Gespräch mit Carsten Herbert führen, ebenfalls langjähriger Kooperationspartner von uns und ein begnadeter Kreativkopf und „Illuminierer“ – und zwar zum Thema Wissenssicherung bei Experten.

NARRATA Consult: Wir haben ja schon gemeinsam einige Experten begleitet, die das Unternehmen oder auch nur ihre Position verlassen. Unsere Aufgabe war das Heben, das Dokumentieren und das Zurückführen des Erfahrungswissens dieser Experten in das Unternehmen. Nun meine Frage: was ist für Dich hier der Mehrwert von Visual Storytelling?

Carsten Herbert:  Visualisierungen verschaffen einen guten und rasch wahrnehmbaren Überblick über komplexe Sinnzusammenhänge. Sie liefern Orientierung und Transparenz und bilden (oft scheinbar spielerisch) den Transit in inhaltlich komplexe Themen.
Das erreichen sie, indem sie überwiegend das Emotionszentrum im Gehirn anregen und damit eine andere Ebene der Wahrnehmung bedienen. Aber gute Bilder leisten noch mehr: Botschaften, die wir über Bilder aufnehmen, bleiben länger in unseren Köpfen haften. Deshalb hat es sich bewährt, gerade bei wissensintensiven Vorgängen, visuelle Darstellungen einzubinden.

Das Potential von Visualisierungen: gut, wenn man für das Entdecken von Expertenwissen eine Schatzkarte hat

NARRATA Consult: Visual Storytelling baut neue Denkwelten und öffnet neue Assoziationsräume. Diese Welten und Räume begleiten den Experten bei der Rekonstruktion seiner Erfahrungen. Wir haben bereits einige dieser visualisierten Welten eingesetzt, die den Experten beim Erinnern unterstützen:

Carsten Herbert: Ja, Visualisierungen können nicht nur die Aufnahme von neuen Wissensbausteinen unterstützen, oder Orientierung im weit verzweigten Wissensgeflecht von Unternehmen bieten. Visualisierungen leisten auch bei der Wissenserarbeitung gute Dienste. Wir haben gemeinsam die sogenannte „roadMAP“ und die darauf aufbauende „cityMAP“ entwickelt. Die beiden Tools wurden bereits in verschiedenen Projekten erfolgreich eingesetzt. Der Clou ist eine Art „Live-Visualisierung“, bei der schon während des Prozesses der Wissensgenerierung eine Wissenslandkarte durch Wissensgeber und Moderator mittels vordefinierter Bausteine gestaltet wird. Solche Maps eignen sich perfekt, um Beziehungsgeflechte und Projektverläufe darzustellen.

NARRATA Consult: Wenn wir auf die Seite der Dokumentation und Weiternutzung des Expertenwissens durch Andere im Unternehmen gehen, geht es um intelligente Lösungen, die auch die Vorzüge IT-gestützter Systeme wie etwa Verschlagwortung, semantische Netze, Suchfunktionen und so fort mit berücksichtigen. Wie sieht für Dich eine gute Synthese aus Visual Storytelling und IT aus?

Carsten Herbert: Die Aufgabe besteht darin, Wissensbausteine, -strukturen und -verknüpfungen interaktiv und dynamisch visuell zu generieren. Ein Beispiel: gemeinsam mit Herrn Dr. Baumeister und dem Institut für künstliche Intelligenz der Universität Würzburg entwickle ich aktuell eine dreidimensional gestaltete, visuelle Oberfläche für Unternehmens-Wikis. Schon die ersten Ergebnisse zeigen, dass diese Art der Darstellung die vormals „trockene“ und textlastige Informationspräsentation ganz anders zugänglich macht. Hierarchien und Zusammenhänge können auf einen Blick erfasst werden. Es wird sogar möglich werden, ein dynamisches Bewertungssystem für die in die Datenbank eingegebenen Wissenseinheiten einzuführen. Der User kann somit die Entwicklung von unternehmensrelavantem Wissen auf einen Blick erfassen und weiß sofort, wo eventuelle Lücken und Schwachstellen bestehen.
Grundsätzlich gilt es, durch solche Anwendungen und Tools die Motivation der Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit mit dem Wiki zu erhöhen. Denn eins ist klar, oft ist die Einführung von elektronischen Enzyklopädien für viele Verantwortliche im Unternehmen eine „beruhigende“ Maßnahme – allerdings enden viele dieser Wikis nicht selten als schlecht genutzte Datenfriedhöfe. Da helfen Visualisierungen und die narrative Aufbereitung der Wissensinhalte enorm weiter!

Wer mehr über Carsten Herbert wissen möchte: AMWIND Kommunikation & Wissensmanagement, Büro für Kommunikation und Gestaltung.

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