Teil 1: Digital Storytelling- wie gemeinnützige Organisationen profitieren

05. Sep 2013 in NARRATA erzählt

Wie angekündigt starten wir heute offiziell unsere Blogreihe zu „digital Storytelling“gemeinsam mit Diana Krebs. Letzte Woche haben wir über die Erwartungen an das Storytelling der Zukunft berichtet (siehe Blogbeitrag) und wirft man einen Blick in die Glaskugel, so ist Storytelling über digitale Medien dabei nicht wegzudenken. Schauen wir einmal genauer hin: Warum ist digitales Storytelling (momentan) ein so großes Thema und welche Chancen ergeben sich daraus beispielsweise auch für gemeinnützige Organisationen?

Digital Storytelling – Potentiale für die Zivilgesellschaft und den Einzelnen

Geschichten sind das machtvollste Instrument, um Wissen und Informationen zu vermitteln. Durch sie erfahren wir Neues, können die eigene Blickrichtung verändern, uns inspirieren, sie stellen Ereignisse in den Kontext, schaffen Verbindung zu anderen Lebensentwürfen und sind Hoffnungs- und Sinnstifter. Die Erzählformen haben sich über die Jahrtausende verändert, und tun es weiter.
Im 21. Jahrhundert angekommen, werden Geschichten nun mit digitalem Leben befüllt. Die Spielregeln jedoch, damit eine Geschichte funktioniert, haben sich nicht verändert: Der Zuhörer muss sich in der Handlung wieder finden und Parallelen zum eigenen Leben erkennen. Im digitalen Marketing ist es das Ziel, ein Gefühl um eine Marke oder ein Produkt aufzubauen, mit dem sich die Zielgruppe identifizieren kann.

Digitales Storytelling – Ermächtigung für die Zivilgesellschaft

Digital Storytelling jedoch rückt den Menschen und seine Geschichte in den Vordergrund, und nicht ein Produkt oder eine Marke. Warum ist es wichtig, dass die Menschen ihre Geschichten miteinander teilen? Es ist nach wie vor so: Menschen möchten angehört werden. Es ist ein tiefsitzendes menschliches Bedürfnis. Im Laufe der Jahre machen jedoch viele von uns die Erfahrung, dass wir nicht mehr gefragt werden. Oder wir trauen uns selber nicht, zu fragen. In manchen Gesellschaften gilt es gar als unhöflich, über den üblichen Alltagstrott hinaus „nachzubohren“. Das Mitteilen einer Geschichte jedoch kann eine tiefgreifende Veränderung nach sich ziehen.
Die neuen digitalen Möglichkeiten sind dabei ein machtvolles Instrument. Kinder benutzen heuzutage Ipads, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und etwa 35% der Bundesbürger besitzen mittlerweile ein Smartphone – Tendenz steigend.
Zum herkömmlichen Storytelling unterscheidet sich digital Storytelling zunächst einmal darin, dass Geschichten mit digitalem Werkzeug mitreißend und emotional erzählt werden können. Auf einem Iphone oder einem Ipad beispielsweise befinden sich alle nötigen Tools, um einen gute Geschichte zu erzählen – und diese in sekundenschnelle sofort mit anderen über die social media-Plattformen zu teilen. Die meisten von uns besitzen mittlerweile diese Multimedia-Produktionsgeräte, haben aber keine Ahnung, wie man sie sinnvoll, zeiteffektiv und kostensparend einsetzen kann – und für welchen Zweck.

Viele gemeinnützige Organisationen werden sich in den nächsten Jahren professioneller aufstellen müssen, wenn sie ihrem gesellschaftsfördernden Auftrag effektiver nachkommen wollen. Dazu gehören gute Fundraising-Maßnahmen und gut gepflegte Social Media-Kanäle. Und digital Storytelling, das eine Mischung aus traditionellen und Social Media-Erzählformaten nutzt, kann dabei helfen, ihren Auftrag besser nach innen und nach außen zu vermitteln und mehr Menschen für die gute Sache gewinnen.

In Schulen und Bildungsinstitutionen kann digital Storytelling den sogenannten „digital natives“ dabei helfen, ihr Smartphone wirklich smart einzusetzen. Was sind ihre Geschichten? Was haben sie uns zu erzählen, was bewegt sie? In gezielten Schülerprojekten kann vermittelt werden, wie gute (digitale) Geschichten funktionieren und was man mit ihnen erreichen kann.

Auch Kommunen sollten digital Storytelling nutzen, wenn sie beispielsweise zum Ziel haben, die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger abzugreifen. Und die persönlichen Geschichten, Die einzigartigen „Landmarks“ in der Geschichte einer Kommune werden aufgegriffen und mit persönlichen Geschichten bereichert. Sie können das digitale Aushängeschild werden. Ebenfalls kann digital Storytelling dabei helfen, die Herausforderungen einer Gemeinde schneller zu begreifen und darauf zu reagieren, etwa durch einen gut gemachten einfachen Online-Fragebogen – Stichwort „Formutainment“. Wenn dieser auf PC als auch digitalen Endgeräten funktioniert, kann die Stimmung der Bürgerinnen und Bürger zu bestimmten Themen abgefragt und ausgewertet werden.

Und bereits jetzt werden die Mainstream-Medien durch digital Storytelling in hervorragender Weise ergänzt. Partizipative Plattformen wie etwa der Fotodienst Demotix oder der kanadische Internetservice Digital Journal sind dafür gute Beispiele. Durch Demotix beispielsweise erhält man Fotos über Ereignisse von Themen und Regionen in dieser Welt, die nicht auf der Agenda der großen Nachrichtensender stehen: eine Hochzeit in Aserbaidschan, eine Demonstration in Uganda, ein Flüchtlingsmarsch in Melbourne. Die Welt ist groß, dabei immer noch ein Dorf, das sich digital erschließen lässt.
Und dem Einzelnen können die neuen Technologien und Plattformen dabei helfen, die eigene Geschichte zu entdecken und diese mit anderen zu teilen. Da helfen digitale Plattformen wie cowbird.com. Sie geben die Möglichkeit, aus dem Alltag zu erzählen, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, banal zu sein.

Digital Storytelling lässt sich also in einem weiten Rahmen einsetzen. Nun ist es nicht so, dass die neuen digitalen Möglichkeiten automatisch die Herausforderungen einer Gesellschaft von alleine löst. Die Entwicklung von durchdachten und partizipativen Herangehensweisen im Umgang mit digitalem Storytelling ist dafür notwendig. In den USA nimmt hier beispielweise das Center for Digital Storytelling eine Vorreiterrolle ein wenn es darum geht, digitales Storytelling unter die Menschen zu bringen. Und in der Schweiz forscht ein Netzwerk aus Storytelling-Spezialisten – dem Center for Storytelling – an den Potentialen des digital Storytellings für die Gesellschaft. Auch in Deutschland benötigt es bessere Angebote, um Geschichten zu fördern, diese sinnvoll auszuwerten und daraus relevante Rückschlüsse zu ziehen. Es gibt noch viel zu tun…

Im zweiten Teil unserer digital Storytelling-Reihe werden wir uns dann damit beschäftigen, wie digital Storytelling überhaupt gelingen kann und welche Regeln es dabei zu beachten gilt.

Viele Grüße bis dahin!

P.S.: Wir freuen uns über Austausch, Kommentare, Erfahrungen oder Beispiele zu digital Storytelling!!

 

 

 

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