Digital Storytelling: Gründungsgeschichten brauchen einen persönlichen, emotionalen Anker

24. Nov 2015 in NARRATA erzählt

Im letzten Blogbeitrag haben wir ja bereits von unserem Besuch beim Digital Storytelling Workshop in Köln und unserem Test, ob sich digitale Geschichten bzw. das Vorgehen vom Center for Digital Storytelling auch für den Einsatz in Unternehmen eignen, berichtet. Dafür hatten wir uns zwei NARRATA Themen vorgenommen: die Erstellung einer Gründungsgeschichte und einer Produkt- bzw. Projektgeschichte.
Unser Plan für die Umsetzung der digitalen NARRATA-Gründungsgeschichte sah folgendermaßen aus: Wir wollten die verschiedenen Stationen, die Herausforderungen, Hochs und Tiefs von NARRATA Consult seit der Gründungsidee als eine Art Heldenreise aufbauen, die zeigt, wie aus NARRATA Consult das wurde, was es heute ist. Dafür hatten wir eine Menge schöner Fotos zusammengetragen: Profilfotos von NARRATA aus unterschiedlichen Jahren, NARRATA beim Kunden, NARRATA bei Vorträgen, etc. Ein erstes Skript über die verschiedenen Stationen der Gründung gab es auch schon. Jetzt fehlte eigentlich nur noch eine passende Hintergrundmusik und die digitale Story kann erstellt werden, so unsere Annahme.

Für die Vermittlung von Informationen ist Digital Storytelling nicht das richtige Format

Beim „Screening & Celebration“ am Ende des Digital Storytelling Workshops haben wir dann aber eine ganz andere NARRATA-Gründungsstory gezeigt und das kam so: bei der Präsentation unseres Skripts im „Story Circle“ (Vorstellung der Story vor der gesamten Workshop-Gruppe) sprang der Funke der Geschichte einfach nicht auf die Zuhörer über. Warum das so war, wurde schnell deutlich: Zum einen, weil die Geschichte aus der Perspektive von zwei Gründerinnen erzählt wurde, was beim Zuhörer keine klare Identifikationsmöglichkeit mit dem Erzähler auslöste. Zum anderen waren die Stationen der Gründung zu viel, zu unpersönlich und zu langweilig. Wir stellten fest: Für eine Geschichte, die auch informativen Charakter hat, ist Digital Storytelling einfach nicht das richtige Format.
Es wurde eine kurze Nacht, aber am nächsten Morgen stand ein neues Konzept für unsere Gründungsstory: Erzählt werden jetzt nicht mehr die einzelnen Stationen, die Hochs und Tiefs der Gründung, sondern die Geschichte, warum es NARRATA Consult überhaupt gibt und was uns von Kindesbeinen an motiviert hat, uns mit Storytelling zu beschäftigen. Im Mittelpunkt standen keine herausragenden NARRATA-Projekte und Ereignisse mehr, sondern etwas ganz Anderes: Unsere ureigene Motivation – und dabei spielt Christines erster Spitzname und Karins Lieblingsbuch aus der Kindheit eine besondere Rolle. Erzählt wird die Geschichte auch nicht mehr aus der Perspektive von uns beiden, sondern aus der Ich-Perspektive von Karin.
Entstanden ist diese erste Version einer digitalen Gründerstory:

Es gibt, zugegebenermaßen, was die (technische) Umsetzung anbelangt, noch Luft nach oben, aber wichtiger als Perfektion waren uns die Erkenntnisse, die uns unser Experiment lieferte. Grob zusammengefasst lauten diese:

Digitale Gründergeschichten

  • haben einen emotionalen Anker bzw. Auslöser, um den herum sie erzählt werden,
  • geben Auskunft über die persönliche Motivation des Gründers,
  • werden aus der Ich-Perspektive erzählt,
  • brauchen keine Aufzählung der (Erfolge-)Stationen einer Gründung…

Aber warum sollten Unternehmen ihre Gründungsgeschichte überhaupt mit Digital Storytelling aufarbeiten und wo liegt das Potential bzw. der Vorteil gegenüber professionellen Werbe- oder Imagefilmen? Es ist die persönliche Note, die Emotionalität und hoch authentische Wirkung, die digital Stories auf die Zuschauer haben. Man spürt, das gezeigte Thema liegt dem Erzähler am Herzen, seine Worte, Bilder, Videos und die Hintergrundmusik sind mit Bedacht ausgewählt und haben eine hohe Bedeutung. Die Tatsache, dass der Erzähler den Mut hat, seine Geschichte auf diese sehr persönliche Art und Weise zu erzählen, weckt Interesse.
Ein weiterer Pluspunkt: Eine selbst erstellte digitale Geschichte (bzw. in einem Digital Storytelling Workshop) kostet nur einen Bruchteil dessen, was ein professionellen Werbe- oder Imagefilm im Regelfall kostet. Es braucht im Prinzip nur einen Laptop und kostenlose Programme wie Movie Maker, iMovie und Audacity. Auch wenn selbstproduzierte digitale Geschichten keine Konkurrenz zu professionellen Image- und Webefilme sein können und wollen, so stellen sie doch eine gute Alternative gerade auch für kleine Unternehmen oder Start-ups dar oder für eine alternative Darstellung der Gründungsidee.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Digital Storytelling-Workshop zum nächsten Firmenjubiläum mit ausgesuchten Mitarbeitern und Führungspersönlichkeiten des Unternehmens? Sie erzählen von ihrem ganz persönlichen, emotionalen Anker mit dem Unternehmen, wie z. B. bei NARRATA Consult das Buch aus der Kindheit…

Wir sind gespannt, ob und  – wenn ja –  wie sich Digital Storytelling für Unternehmen durchsetzen wird. Im nächsten Blogbeitrag berichten wir über unsere Erfahrungen beim Erstellen unserer digitalen Projekt- bzw. Produktstory.

Bis dahin viele Grüße von Karin Thier & Christine Erlach

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