Was ist eigentlich eine (organisationale) Geschichte?

Menschen (in Unternehmen) sind Natural Born Storytellers!

Um es mit den Worten des Philosophen und Sprachwissenschaftlers Umberto Eco (1983) zu sagen:

„…der Mensch ist von Natur aus ein Geschichten erzählendes Tier.“

In allen Epochen und Kulturen waren und sind es Geschichten, die der Welt Bedeutung gaben, Bindung zwischen Menschen erzeugten und Ordnung in Gesellschaften brachten. Und wie in allen Bereichen des Lebens, so sind auch Menschen in Organisationen und Unternehmen „natural born storytellers“ (Boje, 1994).

Elemente / Aufbau einer Geschichte

Was aber ist eigentlich genau eine (organisationale) Geschichte? Im Grunde spricht man immer dann von einer Geschichte, wenn folgende drei Merkmale gegeben sind:

  • eine Ausgangslage
  • ein Ereignis
  • eine Konsequenz (Endsituation)

Ein Ereignis alleine macht noch keine Geschichte aus. Erst durch eine logische Handlungsfolge (Ausgangslage → Konsequenz) wird aus einem Ereignis ein bedeutungsvolles Ganzes und man spricht von einer Geschichte. Wichtig ist also eine chronologisch sinnvolle Reihenfolge von Ereignissen (Czariniawska, 1998). Damit sind die Fragen nach dem „Wie“ und dem „Was“ in einer Geschichte beantwortet.

Nicht vollständig sind Geschichten jedoch ohne Charaktere und Handlungen, die diese ausführen. Die Charaktere geben uns Auskunft über das „Wer“ und die Handlung gibt Aufschluss über das „Warum“ (Mitroff, 1983).

Im Alltag von Unternehmen werden aber nur selten vollständige Geschichten erzählt, sondern oftmals lediglich kleine, für den Zuhörer aber noch verständliche und nachvollziehbare Teile einer ganzen Geschichte. Oft genügt ein Hinweis, wie: „Erinnerst du dich, was unser Boss dazu gesagt hat?“, um die dahinter liegende Geschichte beim Zuhörer zu aktivieren (vgl. Boje, 1991).

Warum werden Geschichten (in Unternehmen) erzählt?

Unterschieden werden muss grundsätzlich zwischen Geschichten, die zur Unterhaltung bzw. die ohne einen erkennbaren, bestimmten Zweck zu verfolgen in Unternehmen erzählt werden (z. B. bei Betriebsfeiern und in Kaffeeküchen) und Geschichten, die strategisch vom Management erzählt und eingesetzt werden, um z. B. von einer Idee zu überzeugen oder Veränderungsprozesse zu unterstützen.

Generell unterscheiden Wissenschaftler zwischen drei Gründen, warum Menschen überhaupt Geschichten erzählen (vgl. Schank, 1990):

  • „Me-Goals“ – mit der erzählten Geschichte soll ein persönliches Ziel erreicht werden (z. B. Aufmerksamkeit erregen, Bestätigung bekommen).
  • „Your-Goals“ – mit der erzählten Geschichte soll ein bestimmter Effekt beim Zuhörer erzielt werden (z B. Informationen übertragen, jemand in eine andere Richtung lenken).
  • „Conversational Goals“ – mit der erzählten Geschichte soll die Konversation beeinflusst werden. Hier geht es darum, mit Hilfe der Geschichte eine Konversation hinsichtlich eines bestimmten Themas zu eröffnen, in Gang zu halten oder das Thema mittels einer neuen Geschichte zu ändern.

Rolle und Funktion von Geschichten in Unternehmen

Geschichten kommen (in weiten Teilen unbewusst) in Unternehmen vielerlei Rollen und Funktionen zu. Hier ein paar Beispiele: Geschichten…

  • verstärken die Bindung zu einem Unternehmen
  • fungieren als soziale Landkarte und Orientierungshilfe für neue Mitarbeiter
  • eignen sich für die Kommunikation von Zwischenmenschlichem
  • zeigen den sozialen Stand von Personen auf, bzw. festigen und erhöhen diesen
  • stiften Sinn und Bedeutung für Ereignisse
  • dienen der Interpretation von Vergangenem und der Beschreibung der Zukunft
  • zeigen die „inoffizielle“ Unternehmenskultur [Zielort: Lexikon] auf
  • geben Richtlinien und Entscheidungshilfen für kritische Situationen
  • unterstützen Change-Prozesse [Zielort: Lexikon] und zeigen diese an
  • überzeugen Mitarbeiter und Kunden von neuen Ideen
  • können das schwer zugängliche (Erfahrungs-)Wissen von Mitarbeitern und Teams weitergeben und speichern

Der gezielte Einsatz von Geschichten und die Steuerung ihrer Verbreitung ist damit eine nicht zu unterschätzende Zukunftsaufgabe für alle Unternehmen.

Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema „Storytelling in Organisationen“ beschäftigen möchten, haben wir eine interessante Literaturliste für Sie zusammengestellt (siehe PDF links).

Informieren Sie sich über verschiedene narrative Methoden und unseren narrativen „Handwerkskasten“!