Über die Kraft von Geschichten und warum „Storyteller“ auch Verantwortung tragen – filmschreiben.de: ein Dramaturgie-Blog

16. Apr 2015 in Aktuelles

Heute möchten wir auf einen für alle Storytelling-Interessierten lesenswerten Blog aufmerksam machen: filmschreiben.de. Unter der Redaktion von Ron Kellermann und Arno Stallmann werden dort u. a. Antworten auf die Fragen gegeben, wie man einen guten Filmstoff entwickelt, wie man ihn verkauft, wie der Drehbuchmarkt und die Filmbranche ticken. Zwar richtet sich der Blog vornehmlich an Filmschaffende, aber die vielen Tipps, Hintergrundinformationen und auch kontroverse Diskussionen zum Thema Dramaturgie sind für alle Storyteller wertvoll.
Lassen wir die Autoren von filmschreiben.de selbst zu Wort kommen und die Botschaft ihres Blogs erklären:

Warum erzählen und rezipieren wir heute noch Geschichten? Weil Geschichten nach wie vor so bedeutsam für uns Menschen sind wie zu jenen Zeiten, als die Weisen große Mythen am Lagerfeuer erzählten oder das Gilgamesch-Epos in elf Tontafeln schlugen: Geschichten geben Wissen und Tradition und damit Herkunft und Zugehörigkeit weiter, sie stiften soziale Identität und konstituieren soziale Gemeinschaften, sie geben (Lebens-)Orientierung und Weltsicht, Kontrolle und Sicherheit, sie helfen uns dabei, das Leben, das Menschsein und das In-der-Welt-Sein zu erkennen, zu verstehen und zu gestalten.

Das tun sie, indem sie Antworten auf die beiden existenziellen Fragen „Wie soll ich leben?“ und „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ geben. Geschichten sind Wertediskurse. Sie geben uns die Möglichkeit, uns über die individuellen und sozialen Werte, nach denen wir leben wollen, zu verständigen.

Menschen formen Geschichten – Geschichten formen Menschen

Das bedeutet aber zugleich: Wer Geschichten erzählt, hat Verantwortung – Verantwortung für die Werte, die sie oder er vermittelt und vertritt, für die Vision von Gesellschaft, die sie / er entwirft, für das Bild vom guten Leben, das sie / er zeichnet. Egal ob fiktional in Filmen, Romanen, Theatertücken, Hörspielen und Games oder mittels Storytelling im Journalismus, Marketing und Management, in Reden, Vorträgen und in der Öffentlichkeitsarbeit. Geschichtenerzähler manipulieren oder klären auf. Ob so oder so: Geschichten formen Menschen und Gesellschaften.

Die Frage, die sich stellt, lautet: Wie formt man Geschichten, die Menschen und Gesellschaften auf positive Weise formen?

Die professionelle Disziplin, die sich dieser Frage widmet, ist die fiktionale Dramaturgie. Um sie geht es auf dem Blog www.filmschreiben.de, der Mitte Oktober 2014 gestartet ist und sich noch in der Aufbauphase befindet.

    filmschreiben.de ist eine Plattform für AutorInnen, DramaturgInnen, FilmemacherInnen, StorytellerInnen und Kreative verwandter Medien zum Austausch von Wissen, Erfahrungen, Meinungen, Ideen: Damit die Geschichtenerzählerinnen und -erzähler aneinander gewinnen, und daran ihre Geschichten.

    filmschreiben.de ist offen für Erzählerinnen und Erzähler aus den verschiedensten Bereichen, die Lust haben, sich einzubringen und auszutauschen, zu geben und von anderen zu profitieren. Denn das filmschreiben.de-Motto »We can cover that by a line of dialogue« ist bei Hitchcock zwar noch ein abfälliger Kommentar über Problemlösung nach Art des faulen und unkreativen Drehbuchautoren – bei filmschreiben.de ist es Grundidee und Gründungsidee: Dialog.

    filmschreiben.de beantwortet Fragen: Wie funktioniert eine Geschichte, und wie nicht? Wie entwickelt und erzählt man sie, und wie nicht? Wann sollten wir eine Geschichte erzählen, und wann nicht? Wie funktioniert meine Kreativität, wie funktioniert sich nicht? Wann hilft ein dramaturgisches Strukturmodell, und wann nicht? Wie lassen sich die Werkzeuge der fiktionalen Dramaturgie als Storytelling in non-fiktionalen Kontexten anwenden, und wie nicht? Was ist unter digitalem, multimedialem, transmedialem, crossmedialem Storytelling zu verstehen, und was nicht? Wie sieht die Zukunft des Geschichtenerzählens aus, wie nicht?

    filmschreiben.de-AutorInnen schreiben über ihr Wissen und ihre Erfahrungen, an denen sie gewonnen haben und woran andere gewinnen können. Sie schreiben über Figuren und Strukturen, denken über Motivationen, Ängste und die Identifikation nach, diskutieren Fernsehen und Filmpolitik, beleuchten digitales und analoges Spielen und Storytelling in jeglicher Form. Denn wenn die Erzähler gewinnen, gewinnen wir alle.

    NARRATA Consult wünscht filmschreiben.de weiterhin ganz viel Erfolg, eine ständig wachsende Leserschaft, aber auch viele Erzählerinnen und Erzähler. Wir werden uns in den nächsten Wochen auch mit einem Beitrag einbringen. Dabei soll es um die Frage gehen, wie aus Mitarbeitern und Unternehmen Storyteller werden…

    Mit besten Grüßen an diesem sonnigen Apriltag,
    Karin Thier & Christine Erlach

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