Führen bedeutet, Sinn zu machen und Identität zu bewahren

Führungskraft zu sein, scheint in den heutigen Zeiten eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu sein, wenn ich mich in der einschlägigen Literatur und den Social Media umschaue: immer neue Führungskonzepte kommen auf, etwa der „radikal-empathische“ Führungsstil, der ganz auf die intrinsische Motivation von Mitarbeitern setzt. Auch bereits totgesagte Führungsmodelle erleben im Zuge der so oft als unsagbar einschneidender Wandel prophezeiten Digitalen Transformation eine Renaissance, so zum Beispiel das Prinzip der Ambidextrie, des „beidhändigen“ Führens: hier ist die Führungskraft gefordert, den Spagat zwischen Innovation und Flexibilität einerseits und dem Bewahren von Stabilität und Effizienz andererseits zu bewältigen.
Aus narrativer Sicht ist diesen und vielen weiteren Ansätzen zweierlei zu entgegnen:
- Wer wie wir eine Organisation als „erzähltes Unternehmen“ betrachtet und damit der Grundannahme folgt, dass nahezu alles, was in einem Unternehmen passiert, mit Narrationen zu tun hat, definiert „Führung“ nicht als Aufgabe für einzelne Personen in der Rolle von Führungskräften. Führung in unserem Sinn ist die Tätigkeit von jedem, der mit anderen zusammen Kooperation initiiert und organisiert. Das kann der formale Team- und Abteilungsleiter oder der CEO sein, das kann aber auch in einem Projektteam jeder Mitarbeiter sein, der für eine Teilaufgabe die Verantwortung übernimmt. Jede Person, die andere zu Kooperation und Kommunikation einlädt, ist mit Führung konfrontiert, weil jede Kooperation und Kommunikation damit zu tun hat, Orientierung und Sinn zu stiften. Und das führt uns zum Herzen des narrativen Ansatzes, denn Sinnkonstuktion ist eines der zentralen Elemente in jeder Geschichte.
- Die zweite Entgegnung aus narrativer Sicht gilt den Schwerpunkten, die in den Führungsmodellen gesetzt werden: zwar beinhalten die beiden oben genannten und viele weitere Ansätze zu „Führung“ einige Grundgedanken, die dem narrativen Feld zuzuordnen sind, etwa die enorme Wichtigkeit, authentisch und wertschätzend in den Dialog mit den Mitarbeitern zu treten. Doch die aus narrativer Sicht wichtigsten Grundsteine, die „Führung“ legen muss, damit darauf ein erfolgreiches Unternehmen erichtet werden kann, sind nicht thematisiert: die beiden wichtigsten Führungsaufgaben sind, Sinn zu stiften und Identität zu bewahren. Gelingt dieses Kernaufgabe, gelingen all die anderen Führungsaufgaben wesentlich leichter – um Bild der Grundsteine zu bleiben: stimmt das Fundament, lässt sich das Haus stabil darauf errichten.
Warum wir diese Grundsteine als so zentral ansehen, haben Michael Müller, einer der „Urgesteine“ in der narrativen Organisationsberatung und ich in zwei Artikeln auf LinkedIn diskutiert:
==> Führung bedeutet, Sinn zu machen
==> Führung bedeutet, Identität zu bewahren
Wie man im Team oder im Unternehmen die gemeinsame Identität (wieder) entdeckt und einen gemeinsamen Sinn gestaltet, kann man im nächsten Modul der Fortbildung „Professionelles Storytelling im Unternehmen“ erfahren, das ich gemeinsam mit Michael Müller leite. „Storytelling in Führung und Sinnkommunikation“ ist das Thema des zweitägigen Moduls am 16. und 17. 11. 2018 in Stuttgart. Und natürlich werden wir dort auch noch viele weitere Methoden und Ansätze zu Sinnkonstruktion und –kommunikation vermitteln, die jeder – nicht nur „offizielle Führungskräfte“ – in seinem Arbeitskontext anwenden kann.
Weitere Informationen und Anmeldung unter: https://www.narratives-management.de/portfolio-posts/modul-narrative-leadership/
Beste Grüße sendet
Christine Erlach
