Rückblick KnowTech 2012: Vortrag „Erfahrungswissen handhabbar machen“ und viele spannende Eindrücke

26. Okt 2012 in NARRATA erzählt

KnowTech-2012-auf-der-Messe-StuttgartDonnerstag abend, im Zug, von Stuttgart zurück nach Köln, zwei mit Vorträgen und Gesprächen gefüllte Tage auf der Wissensmanagement-Konferenz KnowTech 2012 liegen hinter mir – was ist zu berichten aus dieser Fülle von Eindrücken?

 

 

 

 

Nun, zuerst einmal hat mich sehr gefreut, dass Dr. Benjamin Nakhosteen, ThyssenKrupp Steel Europe und ich unseren Vortrag vor einer großen Zuhörerschaft halten durften. Der Raum war bis auf den letzten Sitzplatz voll und einige mussten sich sogar mit Stehplätzen zufrieden geben. Das Interesse an unserem Beitrag war erfreulicherweise also sehr groß.

Wir stellten einen integrativen Wissensmanagement-Ansatz vor, der narrative Strategien zur Handhabbarmachung von Erfahrungswissen mit einer hochflexiblen Dokumentation vereint:Die offene narrative Herangehensweise an Erfahrungswissen kann Wissensschätze bei Experten und Projektteams heben, die bei anderen Erfassungsmethoden, die strukturiert-geschlossen vorgehen, außen vor bleiben. Eine multimedial aufgebaute, auf die Wissensnehmer abgestimmte Dokumentation kann jenes Wissen dann mithilfe von z.B.: Flussdiagrammen, Baumstrukturen, Matrizen, Videos, Animationen, Bildern und Text für das Unternehmensgedächtnis festhalten.

Wir berichteten bereits über die Herangehensweise bei ThyssenKrupp Steel und einige Inhalte des Beitrages für die KnowTech 2012. Dank des Interesses und der guten Fragen der ca. 80 Zuhörer und der tollen Zusammenarbeit mit Benjamin Nakhosteen war dieser Beitrag also rundum eine erfolgreiche Sache, die viel Spaß gemacht hat.

Die rund 380 Teilnehmer standen vor der Qual der Wahl, aus den 76 Beiträgen, die gehalten wurden, auszuwählen – hier also eine Skizze von einigen der vielen spannenden Themen, die mir in den 2 Tagen begegnet sind:

Von den 4 Keynotes genoss ich besonders die Rede von Dr. Pero Mićić über Zukunftsmanagement – er zeigte mit feinen Metaphern aus der Seefahrt, dass die Zukunft heute in unseren Köpfen beginnt und dass wir so durchaus in der Lage sind, die Zukunft zu „managen“ oder zumindest zu erahnen, wenn wir mehr darüber herausfinden, welche Grundannahmen, Werte, Wünsche, Visionen, Erwartungen, Hoffnungen, usw. wir in unseren Köpfen tragen. Na, da gibt es ab sofort ein neues Betätigungsfeld für NARRATA Consult, denn diese verborgenen Gedanken und Empfindungen können narrative Methoden ganz besonders gut erfassen!

Ein Highlight war der Vortrag über Design Thinking als Innovationsmethode für Wissensmanagement: die beiden Referenten Johannes Meyr und Felix Harling zeigten anhand eines Fallbeispiels bei SAP, wie der Entwicklungsprozess aus dem Design bei der Entwicklung neuer Ideen (also nichtstofflicher „Dinge“) hilft. Toll waren auch der Dialog zwischen den beiden und die Slides, die allesamt aus Scribbles und visuals bestanden – kaum ein Wort darauf geschrieben und trotzdem extrem einprägsam.

Beeindruckend war auch die Vorgehensweise von Ulrich Zuber, der seit 12 Jahren stetig als Verantwortlicher für Wissensmanagement im Bundesverwaltungsamt wirkt. Er schilderte in seinem Beitrag eindrücklich, dass Wissensmanagement in einer straff hierarchisch aufgebauten Organisation als Change-Strategie einführt werden muss: der Einstieg in Wissensmanagement ist nicht bei den Tools, sondern bei den mentalen Bildern der Mitarbeiter und vor allem der Führungskräfte zu Konzepten wie Führung und Verantwortung, Kontrolle und Vertrauen. Er zeigte schön, wie man mit kleinen Stellschrauben große Veränderungen triggern kann – seit einiger Zeit zum Beispiel verzichtet das Bundesverwaltungsamt auf die Nennung des Dienstranges auf den Visitenkarten, nur das Fachgebiet ist dort zu lesen. Denn die Organisation will weg von der hierarchischen Fixierung hin zur Wahrnehmung der Kompetenzträger. Ein wichtiger weiterer Effekt: auch die bislang unter „ferner liefen“ ausgewiesenen zuarbeitenden Sachbearbeiter vertreten das Bundesverwaltungsamt nach außen nun in derselben Wertigkeit wie ein Diensthöherer.

Der ICE rollt gleich in Köln ein, so dass mein Rückblick zur KnowTech sich dem Ende nähert – dank guter Gespräche in den Pausen, dem Wiedersehen vieler alter Bekannter und vielen interessanten Beiträgen war die KnowTech 2012 eine gelungene Veranstaltung!
 
 
Die Durchsage im ICE, dass ein liegengebliebener Zug die Einfahrt in den Bahnhof blockiert, verschafft mir Zeit für noch ein paar kritische Sätze: dafür, dass es auf dieser KnowTech rund um Social Media ging, um Vernetzung und um die Beteiligung aller an Wissensprozessen, war das Format der KnowTech erstaunlich altbacken: keine Twitterwall weit und breit, nicht mal ein Schwarzes Brett für Infos über Programmänderungen für die Teilnehmer, keine offenen Einlagen wie etwa World Café oder Open Space, sondern ausschließlich Frontalreden mit PP-Slides und anschließendend vielleicht noch ein paar Fragen aus dem Plenum.
Immerhin: Prof. Joachim Niemeier moderierte die 4 Keynotes souverän und stellte den Rednern Fragen aus dem Plenum, die während der Reden getwittert worden waren.

Mit nur 28 Minuten Verspätung schafft es mein ICE in den Bahnhof hinein,
einen schönen Feierabend wünscht Christine Erlach

Es gibt noch keine Kommentare, bitte fügen Sie Ihren Kommentar hier ein.

Ihr Kommentar