Produkt- und Projektgeschichten mit Digital Storytelling: wer ist der Held?

07. Dez 2015 in NARRATA erzählt

Es folgt der dritte Streich rund um unser Experiment mit Digital Storytelling: die Erstellung einer Produkt- bzw. Projektgeschichte im Format einer digitalen Story. Wir berichteten ja bereits von unserem Besuch beim Digital Storytelling Workshop in Köln und unserem Test, ob sich digitale Geschichten bzw. das für persönliche, emotional bedeutsame Geschichten entwickelte Vorgehen vom Center for Digital Storytelling auch für den kommerziellen Einsatz in Unternehmen eignen. Dafür hatten wir uns zwei klassische Themen für Storytelling vorgenommen: die Erstellung einer Gründungsgeschichte und einer Produkt/Projektgeschichte.

Inwieweit eine digitale Story für die Gestaltung einer Gründungsgeschichte taugt, können Sie ausführlich in unserem Blog „Digital Storytelling: Gründungsgeschichten brauchen einen persönlichen, emotionalen Anker“ nachlesen und unseren Gründungsfilm zur Geburt von NARRATA Consult ansehen.

Heute stehen Produkt- bzw- Projektgeschichten im Fokus. Funkioniert eine maximal drei Minuten dauernde persönliche digitale Story, wenn ein erfolgreiches Produkt oder ein gut gelaufenes Projekt erzählt werden sollen?

Wir sind unverzagt in diese Aufgabe gesprungen und beschrieben flott nach den Stationen der Heldenreise unser Kundenprojekt beim Triebwerksbauer MTU Aero Engines – die Heldenreise und deren Stationen „Aufbruch ins Unbekannte“, „Weg der Prüfungen“ und das Erobern des „Schatzes“ eigneten sich hervorragend, um das Ringen des Kunden um eine bessere Kooperationskultur und unser gemeinsames Storytelling-Projekt zum Heben und Verändern von ungünstigen Werten und Verhaltensmustern in einem Großprojekt zu erzählen.
So dachten wir.

Geschichten müssen Identifikationsfläche bieten! Produkt-/Projektgeschichten brauchen also dringend Helden!

Doch es kam anders: schnell wurde uns klar, dass wir im Digital Storytelling-Format eine klare Identifikationsfläche benötigen, der Held also nicht das Unternehmen MTU Aero Engines, sondern Personen sein müssen. Denn erzählt man digitale Stories über ein „Ding“ – wie etwa ein Unternehmen, fehlt der Held, die Person, mit der man sich identifizieren kann. Die Story wird also schnell unpersönlich und langweilig. Der Ausweg könnte ein hoch-bugetierter Marketing-Film mit Drehs vor Ort und den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiteten, als Akteure sein, die eine packende Story erzählen können. Wir aber wollten eine digitale Story mit einfachsten Mitteln machen – es blieb uns also nur eine authentische Erzähl-Perspektive, um den persönlichen Bezug zum Kundenprojekt und damit die emotionale Spannung zu erhalten: die eigene Perspektive, die Erzählung aus NARRATA-Sicht also.

Die Erkenntnis, dass WIR die Geschichte durchleben müssen statt unseres Kunden, brachte uns in ein Dilemma: denn in unserer Beratungstätigkeit sind nicht wir die Helden, sondern der Kunde! Wir sind Enabler, Unterstützer, nicht die Hauptpersonen. Und wir haben in der Regel keine Krise, die eine Geschichte erzählenswert macht, sondern wenn dann der Kunde…
Was also tun? Wir mussten eine Lösung finden, in der der Kunde auch wieder seinen wichtigen Platz einnimmt und dennoch wir die Erzählenden bleiben. Und wir mussten dafür sorgen, dass alle zusammen eine Herausforderung meistern, einen Wendepunkt in der Story erreichen – dies alles sind immerhin entscheidende Gestaltungskriterien, die Geschichten erzählenswert machen!

Wir fanden eine Lösung, die sowohl den Kunden als Held in die Story bringt als auch die Erzähl-Perspektive von NARRATA beibehält:

Unser Fazit aus dem Experiment, eine digitale Story über Produkt-/Projektgeschichten zu schreiben:

  • Es braucht einen Spannungsbogen, der eine Krise, eine Herausforderung beinhaltet, die überwunden wird.
  • Die Story muss Identifikationsfläche bieten, also Menschen oder aber auch virtuelle Figuren – wichtig ist, dass die Personen den emotionalen Spannungsbogen der Geschichte erleben und mitunter auch durchleiden!
  • Vorsicht vor klassischen Success-Stories von erfolgreichen Kundenprojekten für die eigene Vermarktung: meist wirken sie flach, weil sie keine Krisen erzählen, keinen Wendepunkt der Geschehnisse beschreiben und weil die „Helden“ nicht besonders authentisch rüberkommen.
  • Die Geschichte muss sich auf das Wesentlichste beschränken, um spannend und aussagekräftig zu bleiben.

Das nächste Mal würden wir noch viel konsequenter die Erzählperspektive ausbauen und zum Beispiel zu Beginn der Projektgeschichte in die Kamera sprechen – je mehr Identifikationsfläche die Zuschauer geboten bekommen, desto eher wird die digitale Story „geliked“. 🙂

Was also ist unser Fazit? Unser erster Test, ob man mit dem auf persönliche, bedeutungsvolle Geschichten getrimmten Digital Storytelling auch kommerziell motivierte Gründungsgeschichten und Produkt/Projektgeschichten erzählen kann, nahm auf jeden Fall ein positives Ende und machte uns zudem ungemein Spaß!

Wir sind auf den Geschmack gekommen und werden weiter mit der Übertragung von den Regeln für persönliche, emotional bedeutsame Erzählungen auf kommerzielle Storytelling-Formate experimentieren, gerne samt Ihnen, wenn Sie Lust auf einen Piloten mit uns haben.

Beste Grüße senden
Christine Erlach und Karin Thier

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