Interview mit Sabine Simonneau von der Eckes-Granini Group über den Einsatz von Storytelling bei der Entwicklung eines Unternehmens-Purpose

23. Jan 2013 in NARRATA erzählt

Im Dezember 2012 haben wir ja bereits im Blogbeitrag über den Personalkongress 2012 in Göttingen angekündigt, dass wir noch etwas ausführlicher über das Purpose-Projekt, dass wir gemeinsam Sabine Simonnau (Marketing Director International Business Development, Eckes-Granini Group) beim Personalkongress vorgestellt haben, erzählen werden.

Ich glaube, für alle Teilnehmer waren während des Vortrages von Sabine Simonneau der Spirit und die Begeisterung, die das Purpose-Projekt bis heute ausstrahlt, anzumerken.

Für alle, die nicht mit dabei waren, oder sich gerne noch einmal an den Vortrag erinnern möchten, hier das Interview mit Sabine Simonneau:

NARRATA: Liebe Frau Simonneau, was ist denn eigentlich genau unter einem „Unternehmenspurpose“ zu verstehen und warum hat sich die Eckes-Granini Group 2007 dazu entschlossen einen eigenen Purpose zu entwickeln?

Sabine Simonneau auf dem Personalkongress in Göttingen

Sabine Simonneau: Der Unternehmenspurpose liegt in der DNA des Unternehmens. Er kann nicht erfunden oder aufoktroyiert werden, denn er wurzelt in der Vergangenheit und der Gegenwart der Firma, zeigt auch basierend darauf auf, wo der Weg in Zukunft hingeht. Er beantwortet die Sinnfrage nach dem Warum. Welches höhere Ziel verfolge ich als Unternehmen und für jeden einzelnen Mitarbeiter – was verbindet mich mit dem Kollegen in Land x und Abteilung y und warum arbeite ich hier und nicht woanders.

Hintergrund bei Eckes-Granini war, dass nach Jahren der internationalen Expansion sich unser Unternehmen sehr verändert hatte. Auch bedingt durch einen Wechsel in der Unternehmensspitze wurde daraufhin eine neue gemeinsame Unternehmensstrategie und –vision entwickelt, die allen Führungskräften im Rahmen einer Leadership Conference vorgestellt wurde. Aus diesem Kreis kam dann nicht nur ein positives Feedback zur Strategie an sich, sondern auch der eindeutige Hinweis, dass es nicht nur wichtig ist, das „Was“, „Wann“, „Wieviel“ und „Wie“ zu kennen, sondern auch die Frage nach dem „Warum“ beantwortet werden sollte. Auch und gerade weil diese emotionale Komponente ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl kreiert.

NARRATA: Im Rahmen des Purpose-Projektes hat Eckes-Granini die Storytelling-Methode eingesetzt und mit Mitarbeiterstories, Anekdoten und Analogien gearbeitet. Was gab den Ausschlag für den Einsatz gerade von narrativen Methoden?

Sabine Simonneau: Wie gesagt, den Purpose kann man nicht erfinden, man muss ihn entdecken, und zwar im Kopf und Herzen unserer Mitarbeiter in allen Ländern und Bereichen. Aber über Werte, Einstellungen und Motivation kann man nicht einfach so sprechen. Ein normales Interview hätte hier nicht geholfen. Die narrative Methode wurde mir von der Personalabteilung als Möglichkeit genannt und hat mich direkt überzeugt – über Geschichten, die Seele entdecken, das machte für mich Sinn.

Die Frage nach dem WARUM, also die Frage warum arbeite ich gerade hier und nicht bei einem anderen Unternehmen, ist eine der essentiellsten Fragen, die sich Mitarbeiter stellen. Unternehmen müssen Antworten auf diese Frage liefern bzw. sollten sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern erarbeiten.

NARRATA: Was war aus Ihrer Sicht das Highlight des Purpose-Projektes?

Sabine Simonneau: Es gab viele Highlights, aber die Tatsache, dass das Projekt in allen drei Projektphasen – Storytelling und Bericht, Purpose Workshop mit Top Führungskräften und Launch in allen Ländern und Bereichen – so reibungslos ineinander greifen konnte und wir in jeder Phase unsere Ziele nicht nur erreicht sondern auch übertroffen haben, ist sicherlich etwas ganz besonderes.

NARRATA: Die Workshop- und Implementierungsphase von Purpose sind ja jetzt über vier Jahre her, wie bewerten Sie rückblickend das Purpose-Projekt? Was ist bei den Mitarbeitern heute noch davon zu spüren?

Sabine Simonneau: Der Purpose eint uns als Unternehmen nach wie vor, auch wenn das Gefühl nicht mehr so stark spürbar ist. Wir haben einen gemeinsamen Traum und diesen versuchen wir in allen Bereichen umzusetzen – damals wie heute. Wenn wir heute hier an Grenzen stoßen, dann wird auf den Purpose Bezug genommen und eine warnende Hand erhoben. Das zeigt, dass der Purpose in unserer Firma wirklich verankert ist. Sichtbar ist das natürlich auch über unsere externe und interne Kommunikation, aber der andere Punkt ist für mich sehr viel wichtiger und nachhaltiger – wenn ich Leute im Gespräch darüber diskutieren höre, ob das mit dem Purpose vereinbar ist oder nicht, dann freut mich das sehr.

NARRATA: Neben den eher „weichen“ Effekten, (wie z. B. Verbesserung der Unternehmenskultur, Motivation und Kooperation), hat der Purpose bei der Eckes-Granini Group auch zu spürbaren bzw. messbaren Veränderungen / Verbesserungen in Prozessen und Strategien geführt?

Sabine Simonneau: Das ist natürlich immer schwierig, aber wir können eindeutig sagen, dass wir uns in den Jahren nach Einführung des Purpose deutlich positiv entwickelt haben und eine sehr gute Geschäftsentwicklung erleben durften.

Herzlichen Dank und viele Grüße,
Karin Thier

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