Flowerlebnisse beim TTS Knowledge Transfer Forum 2013 in Heidelberg – Lust an Leistung und informellem Lernen

29. Apr 2013 in NARRATA erzählt
„Nicht vergessen, Gabi loben!“

An Gabi werden sich bestimmt viele der über 200 Besucher des zum 9. Mal stattfindenden TTS Knowledge Transfer Forums der TTS in Heidelberg noch einige Zeit erinnern. Obiger Satz stammt aus dem Keynote „Lust an Leistung“ von Prof. Dr. Felix von Cube. Sein Vortrag war ein Plädoyer dafür, Mitarbeitern in Unternehmen bei ihrer Arbeit ein „Flow“-Erlebnis zu ermöglichen und sie damit zu Höchstleistungen anzuregen.

Flow-Erlebnis (der Begriff wurde von dem ungarischen Wissenschaftler Mihály Csíkszentmihályi geprägt): positives emotionales Erleben bei einer Tätigkeit, das dadurch charakterisiert ist, dass eine Person ganz auf ihr Tun konzentriert ist und darin aufgeht und sich selbst dabei vergisst….(Quelle: Wirtschaftslexikon Gabler)

Damit sich Flow einstellt, darf die ausgeführte Tätigkeit weder unter- noch überfordern. Der Mitarbeiter befindet sich vielmehr in einer permanenten Umwandlung von Unsicherheit in Sicherheit und erweitert sein Terrain permanent. Hervorgerufen wird das Flow-Erlebnis durch die Befriedigung des Neugier- und Sicherheitstriebs. Ganz wichtig dabei ist auch die Anerkennung und das Lob für die erbrachte Leistung – und da sind wir dann bei oben zitierter Gabi: denn Prof. von Cube erzählte, wie er ein paar Monate nach einem seiner Vorträge einen Teilnehmer wiedertraf, der ihm berichtete, wie inspirierend sein Vortrag gewesen sei und besonders das Loben hätte er sich zu Herzen genommen. Er zeigte ihm gar seinen Terminkalender, in dem in regelmäßigen Abständen der Vermerk: „Gabi loben!“ stand. Gabi war seine Frau.

Ob dieses programmatische Lob ein Flow-Erlebnis bei Gabi ausgelöst hat, hat Herr von Cube dann doch sehr bezweifelt, denn wie er mit diesem Beispiel eindrücklich erläuterte, gemeint war eine unmittelbare und authentische Anerkennung für Leistung.
Packender Vortrag ohne Slides und Notizen
Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive mag Felix von Cubes stark an naturwissenschaftlichen Methoden und kybernetischer Didaktik ausgerichtete Sicht auf Lernen und Mitarbeiterführung in manchen Teilen vielleicht nicht weit genug greifen, aber sein Ansatz liefert wertvolle Anregungen für das Überdenken der eigenen Lust an Leistung, das optimale Ausschöpfen der Kapazitäten von Mitarbeitern und das „richtige“ Loben .

Für seinen Vortrag setzte der 85-jährige Felix von Cube übrigens keine einzige Folie oder Video ein. Er saß in einem Ohrensessel und erzählte eine Stunde frei  – und es war keine Sekunde langweilig! Laut ihm ist das Halten von Vorträgen eine der schönsten Möglichkeiten, „Flow“ zu erleben.

Trends im Learning 2013 auf dem Knowledge Transfer Forum der TTS


Nach der Keynote konnten die Teilnehmer sich zwischen parallel laufenden Beiträgen in den beiden Streams „Talent Management“ und „Knowledge Technologies“ entscheiden. Dort präsentierten namhafte Unternehmen wie z. B. Aspect Software, BMW, Conrad Electronic, LVM Versicherung, Roche Diagnostics, Tecan verschiedenste Ansätze und Lösungen.

Es fällt schwer, einzelne Beiträge hervorzuheben, da sie alle interessant waren. Doch ein persönliches Highlight gab es für uns dennoch, nämlich den Beitrag von Michelle Gesué von LIEBHERR, die sehr anschaulich den Changeprozess beschrieb, der bei den nicht gerade IT-affinen Mitarbeitern in der Sparte „Erdbewegung“  im Zuge der Einführung von E-Learning stattfand:

Die Einführung von E-Learning braucht Fingerspitzengefühl

Ein paar Stichworte zur Ausgangssituation im 35.000 Mann starkem Unternehmen, das dennoch seinen familiengeführten mittelständischen Charakter durch die Organisation in eigenverantwortlichen Gesellschaften bewahrt hat: die Mitarbeiter nehmen den PC nur als Werkzeug für die Wartung der Maschinen wahr, nicht aber als Learning-Tool. Die Trainer sind gewohnt, ihr Wissen zu vermitteln, nicht aber, vom Lehrer zum Coach selbstgesteuerten Lernens zu werden!

Wie also mit all den Widerständen gegen E-Learning umgehen? Michelle Gesué nannte eine ganze Reihe von Maßnahmen, von Anreizen für die Trainer, über einen humorvollen Avatar in den Lernprogrammen für die Mitarbeiter, bis hin zum top-down-kommunizieren, dass fortan Lernzeit= Arbeitszeit gilt. Sie zeigte eindrücklich, wie eine schrittweise Umstellung von Vor-Ort-Schulungen (die von Unwissenheit über den Vorwissensstand der Teilnehmer, redundanten Trainings in den Gesellschaften und starker Fremdsteuerung des Lerners geprägt waren), zu einer übergreifenden, die ganze Holding einbindenden E-Learning-Umgebung gestaltet wurde.

Dies alleine ist schon faszinierend genug, um zum Highlight zu werden – es gibt aber noch einen anderen Grund: Michelle Gesué und eine weitere Kollegin sind seit 2 Jahren zu zweit (!) für dieses große Changeprogramm verantwortlich, treibend und gestaltend! Dafür gab es im Plenum spontanen Beifall.

Kurzum: wie auch schon im letzten Jahr (wir berichteten hier) ist es der TTS wieder einmal gelungen, ein perfekt organisiertes Forum mit inspirierenden Beiträgen rund um das Thema E-Learning und Talent Management, gutem Essen und interessanten Gesprächspartnern zu gestalten – und obendrauf schien auch noch die Sonne auf den schmucken Veranstaltungsort, die Print Media Academy Heidelberg 🙂

Vielen Dank an die Organisatoren des Knowledge Transfer Forums bei TTS für diesen gelungenen  Tag.

Beste Grüße senden Christine Erlach und Karin Thier

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